Neurodivergenz verstehen, Verhalten einordnen
Vor einigen Jahren begegnete mir eine Geschichte, die auf den ersten Blick wenig mit Pädagogik, Psychologie oder Beratung zu tun hat.
In den 1950er Jahren untersuchte die US Luftwaffe die Körpermaße von Piloten. Man wollte Cockpits so gestalten, dass sie möglichst gut zum durchschnittlichen Piloten passten. Dafür wurden zahlreiche Körpermaße erhoben und Mittelwerte berechnet.
Das Problem war nur: Kaum jemand entsprach diesem Durchschnitt tatsächlich.
Der Forscher Gilbert Daniels untersuchte schließlich, wie viele der vermessenen Männer bei mehreren Körpermerkmalen gleichzeitig im definierten Durchschnittsbereich lagen. Das Ergebnis war bemerkenswert: kein einziger.
Der durchschnittliche Pilot existierte in dieser Form schlicht nicht.
Die Konsequenz daraus war entscheidend. Man versuchte nicht länger, Menschen an ein für den Durchschnitt gebautes Cockpit anzupassen. Stattdessen begann man, Cockpits verstellbarer zu gestalten.
Ich erzähle diese Geschichte in meinen Fortbildungen gern, weil in ihr etwas steckt, das weit über die Gestaltung eines Cockpits hinausgeht.
Wir bauen auch heute noch erstaunlich viele unserer Systeme für einen Menschen, den es so kaum gibt.
Für das Kind, das morgens aufmerksam ist, Übergänge gut bewältigt, zwanzig Minuten stillsitzen kann, Gesprochenes schnell verarbeitet, seine Bedürfnisse rechtzeitig wahrnimmt, soziale Situationen intuitiv versteht und auch unter Zeitdruck noch auf seine Fähigkeiten zugreifen kann.
Für Klient:innen, die ihre Gefühle benennen können, Fragen unmittelbar verstehen und im Gespräch genau das erzählen können, was für die Beratung relevant ist.
Für Mitarbeitende, die in Großraumbüros konzentriert arbeiten, spontane Veränderungen problemlos auffangen und ihre Leistungsfähigkeit unabhängig von Reizen, sozialer Belastung oder Tagesform abrufen können.
Nur sind Menschen nicht so einheitlich.
Und genau an dieser Stelle beginnt die Neurokompetenz.
Neurokompetenz ist für mich zunächst die Fähigkeit, menschliche Unterschiedlichkeit nicht nur zu kennen, sondern sie im eigenen Denken und Handeln tatsächlich mitzudenken.
Dazu gehört Wissen über unterschiedliche Arten der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Aufmerksamkeit und Regulation. Natürlich gehört auch Wissen über ADHS, Autismus, AuDHS, Hochbegabung, hohe Sensitivität, Trauma und mögliche Überschneidungen dazu.
Aber Wissen allein macht noch nicht neurokompetent.
Ich kann sämtliche Diagnosekriterien für ADHS kennen und trotzdem ein Kind als unmotiviert wahrnehmen, wenn es eine Aufgabe nicht beginnt.
Ich kann viel über Autismus gelesen haben und trotzdem übersehen, dass eine Umgebung für einen Menschen sensorisch kaum auszuhalten ist.
Und ich kann wissen, was Co Regulation bedeutet, und in einer angespannten Situation trotzdem versuchen, mit noch mehr Sprache, Erklärungen und Aufforderungen auf ein Nervensystem einzuwirken, das dafür gerade keine Kapazität mehr hat.
Zwischen Wissen und tatsächlicher Handlungssicherheit liegt manchmal eine erstaunlich große Lücke.
Neurokompetenz setzt genau dort an.
Sie verbindet Wissen mit Beobachtung, Haltung, Beziehung und konkretem Handeln. Und sie beinhaltet etwas, das ich in der Arbeit mit Menschen für mindestens genauso wichtig halte wie Fachwissen: die Bereitschaft, die eigene Erklärung immer wieder zu überprüfen.
Denn ein Verhalten sagt uns zunächst, was ein Mensch tut.
Es sagt uns noch nicht, warum.
Gerade mit der wachsenden Sichtbarkeit von Neurodivergenz entsteht eine neue Herausforderung.
Wir wissen heute mehr über ADHS, Autismus und andere Formen menschlicher Neurodiversität. Viele Menschen erkennen sich oder ihre Kinder in Beschreibungen wieder. Pädagogische Fachkräfte begegnen Begriffen, die in ihrer eigenen Ausbildung vielleicht kaum oder gar keine Rolle gespielt haben.
Das ist zunächst eine wichtige Entwicklung.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir alte Schubladen lediglich durch neue ersetzen.
Aus „Das Kind ist trotzig“ wird dann vielleicht „Das ist bestimmt ADHS“.
Aus „Sie ist einfach zu empfindlich“ wird „Sie ist hochsensibel“.
Aus „Er will nicht mitmachen“ wird „Das ist sein Autismus“.
Aber auch eine vermeintlich neurodivergenzsensible Erklärung kann einen Menschen reduzieren.
Neurokompetenz bedeutet für mich deshalb nicht, möglichst schnell das richtige Etikett zu finden. Sie bedeutet, differenzierter fragen zu können.
Was beobachte ich tatsächlich?
Welche unterschiedlichen Erklärungen sind denkbar?
Welche Rolle spielen Reize, Anforderungen, Beziehung, Sicherheit, körperlicher Zustand, Lernerfahrungen und Kontext?
Was weiß ich noch nicht?
Und was verändert sich, wenn wir die Bedingungen verändern?
In unserer Weiterbildung arbeiten wir deshalb immer wieder nach einem sehr einfachen Prinzip:
BEOBACHTEN. HYPOTHESEN BILDEN. AUSPROBIEREN. KORRIGIEREN.
Darin steckt für mich ein wesentlicher Teil professioneller Neurokompetenz.
Nicht vorschnell wissen zu müssen.
In Gesprächen mit Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften, Beratenden und Eltern höre ich immer wieder einen ähnlichen Satz:
„Ich weiß inzwischen so viel. Aber in der konkreten Situation weiß ich trotzdem nicht, was ich tun soll.“
Das ist kein individuelles Versagen.
Viele Fachkräfte verfügen über enorme Erfahrung und ein sehr gutes pädagogisches, psychologisches oder therapeutisches Fundament. Was in vielen Ausbildungen bisher weniger Raum bekommen hat, ist die Verbindung zwischen Neurodivergenz, Nervensystem, Entwicklung, Beziehung, Umwelt und konkreter Handlung.
Gleichzeitig werden Unterschiede heute sichtbarer.
Nicht unbedingt, weil es plötzlich vollkommen andere Kinder oder Erwachsene gibt.
Wir erkennen vieles besser. Diagnostisches Wissen entwickelt sich weiter. Erwachsene erhalten Diagnosen, die in ihrer Kindheit niemand in Betracht gezogen hätte. Mädchen und Frauen mit ADHS oder Autismus werden differenzierter wahrgenommen. Über Camouflaging, AuDHS, sensorische Verarbeitung, Interozeption oder exekutive Funktionen wird heute anders gesprochen als noch vor einigen Jahren.
Und gleichzeitig treffen diese Menschen weiterhin auf Systeme, die häufig relativ enge Vorstellungen davon haben, wie Aufmerksamkeit, Kommunikation, Lernen, Verhalten oder Regulation aussehen sollten.
Genau daraus entsteht eine Spannung.
Wir wissen immer mehr über die Vielfalt menschlicher Nervensysteme, aber unsere Umgebungen sind vielerorts noch für einen gedachten Durchschnitt gebaut.
Vielleicht ist deshalb die entscheidende Zukunftsfrage gar nicht:
Wie bekommen wir immer unterschiedlichere Menschen in unsere bestehenden Systeme?
Sondern:
Wie gestalten wir Systeme, die menschliche Unterschiedlichkeit von Anfang an mitdenken?
Wenn wir Neurokompetenz ernst nehmen, verändert sich irgendwann auch die Frage danach, wo ein Problem eigentlich liegt.
Ein Kind kann in einem Klassenzimmer kaum arbeiten.
Wir könnten fragen: Was fehlt diesem Kind?
Wir können aber auch genauer hinschauen.
Wie laut ist dieser Raum? Wie viele Informationen werden gleichzeitig gegeben? Wie vorhersehbar sind Übergänge? Wie viel Sprache muss verarbeitet werden? Welche Möglichkeiten gibt es, sich zu bewegen? Wie wird Leistung abgefragt? Wie sicher fühlt sich ein Fehler an?
Plötzlich betrachten wir nicht mehr ausschließlich das Kind.
Wir betrachten die Passung.
Das bedeutet nicht, dass jede Umgebung jederzeit für jeden Menschen perfekt gestaltet werden kann. Das wäre weder realistisch noch der Anspruch.
Aber wir können lernen zu erkennen, wann eine Schwierigkeit tatsächlich im Menschen liegt und wann sie erst im Zusammenspiel mit bestimmten Bedingungen entsteht.
Für Pädagogik, Beratung und Therapie ist das ein erheblicher Unterschied.
Denn dann lautet die Frage nicht mehr automatisch: Wie verändern wir diesen Menschen?
Manchmal lautet sie: Was können wir hier verändern, damit dieser Mensch wieder Zugang zu seinen Möglichkeiten bekommt?
All das bedeutet nicht, dass Haltung Fachwissen ersetzen kann.
Im Gegenteil.
Je differenzierter unser Wissen wird, desto vorsichtiger können wir mit einfachen Erklärungen werden.
ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Autistische Menschen bilden keine homogene Gruppe. AuDHS ist nicht einfach die Summe zweier Checklisten. Hohe Sensitivität kann bestimmte Wahrnehmungsweisen beschreiben, ist aber keine klinische Diagnose. Hochbegabung sagt zunächst etwas über kognitive Fähigkeiten und noch wenig darüber, wie ein Mensch seinen Alltag erlebt.
Und ähnliche sichtbare Verhaltensweisen können vollkommen unterschiedliche Hintergründe haben.
Ein Kind beteiligt sich nicht am Unterricht.
Vielleicht hat es die Aufgabe nicht verstanden. Vielleicht weiß es nicht, wie es anfangen soll. Vielleicht ist die Umgebung sensorisch überfordernd. Vielleicht ist es gedanklich längst an einer ganz anderen Stelle. Vielleicht hat es Angst, einen Fehler zu machen. Vielleicht ist es erschöpft. Vielleicht spielen mehrere dieser Dinge gleichzeitig eine Rolle.
Professionelle Neurokompetenz heißt deshalb nicht, aus einzelnen Verhaltensweisen Diagnosen abzuleiten.
Sie heißt auch zu wissen, wo die Grenzen der eigenen Einschätzung liegen.
Das halte ich für einen enorm wichtigen Teil fachlicher Kompetenz.
In unseren Weiterbildungen erlebe ich immer wieder, dass die größte Veränderung zunächst gar nicht darin liegt, dass Teilnehmende plötzlich mehr Antworten haben.
Oft haben sie bessere Fragen.
Sie hören in Elterngesprächen anders hin.
Sie bewerten Verhalten weniger schnell.
Sie bemerken früher, wann sie selbst unter Druck geraten und dadurch enger in ihrem Denken und Handeln werden.
Sie unterscheiden genauer zwischen fehlender Fähigkeit, fehlender Kapazität und fehlender Bereitschaft.
Sie verändern ihre Sprache.
Und sie beginnen, Bedingungen mitzudenken, die vorher selbstverständlich erschienen.
Das klingt zunächst klein.
In der Praxis kann es sehr viel verändern.
Denn die Art, wie wir einen Menschen erklären, beeinflusst fast immer auch die Art, wie wir ihm begegnen.
Wenn ich glaube, ein Kind wolle mich provozieren, werde ich anders handeln, als wenn ich vermute, dass es gerade keinen anderen verfügbaren Weg hat.
Wenn ich Verhalten als Information betrachten kann, entsteht Handlungsspielraum.
Und genau darin liegt für mich einer der wichtigsten Gründe, warum Neurokompetenz weit über einzelne Diagnosen hinausgeht.
Natürlich ist Neurokompetenz für pädagogische Fachkräfte relevant. Für Lehrkräfte, Erzieher:innen, Sozialpädagoginnen und Menschen in Beratung und Therapie.
Aber eigentlich endet sie dort nicht.
Überall, wo Menschen andere Menschen begleiten, führen, beraten, unterrichten, behandeln oder beurteilen, spielt die Frage eine Rolle, welches Bild wir von menschlicher Funktionsweise haben.
Denn Menschen bringen ihr Nervensystem mit zur Arbeit.
Sie bringen es mit in Schule und Studium, in Beziehungen, Teams, Therapieräume und Beratungsgespräche.
Sie lassen ihre Wahrnehmung, ihre Lerngeschichte, ihre sensorischen Bedürfnisse, ihre Aufmerksamkeit und ihre Art der Informationsverarbeitung nicht vor der Tür.
Deshalb glaube ich, dass Neurokompetenz in den kommenden Jahren immer weniger eine Spezialkompetenz für einzelne Fachbereiche sein wird.
Sie wird Teil guter professioneller Arbeit mit Menschen werden müssen.
So wie wir heute selbstverständlich darüber sprechen, dass Beziehung, Kommunikation oder Diversität professionelle Kompetenzen sind, werden wir zunehmend verstehen müssen, wie unterschiedlich menschliche Nervensysteme wahrnehmen, verarbeiten und auf ihre Umwelt reagieren.
Nicht, damit wir für jeden Menschen eine neue Schublade finden.
Sondern damit wir weniger Schubladen brauchen.
Viele Teilnehmer:innen unserer Ausbildung kommen nach vielen Jahren Berufserfahrung zu uns.
Nicht, weil ihnen pädagogisches oder therapeutisches Wissen fehlt.
Sondern weil sie irgendwann an einen Punkt kommen, an dem die bisherigen Erklärungen nicht mehr ausreichen.
Sie begleiten Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, bei denen klassische pädagogische Antworten nicht greifen. Sie führen Gespräche mit Eltern und möchten fachlich sicherer unterscheiden können, was sie beobachten und was sie daraus ableiten dürfen. Oder sie merken, dass Neurodivergenz längst Teil ihres beruflichen Alltags ist, obwohl sie in ihrer ursprünglichen Ausbildung kaum darauf vorbereitet wurden.
Für manche entsteht daraus später eine neue fachliche Rolle im eigenen Team. Andere bauen einen Beratungsschwerpunkt auf oder entwickeln ein zusätzliches berufliches Standbein.
Was ich dabei aber fast wichtiger finde: Viele erzählen uns, dass sich ihre Arbeit bereits verändert, lange bevor sich auf ihrer Visitenkarte irgendetwas verändert hat.
Weil sie anders sehen.
Anders fragen.
Anders zuhören.
Und dadurch anders handeln können.
Unsere Ausbildung zur Fachberater:in für Neurokompetenz ist berufsbegleitend aufgebaut und verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit der konkreten Übersetzung in die Praxis.
Dabei geht es um Neurodivergenz und unterschiedliche neurokognitive Profile, um Wahrnehmung und Regulation, um die differenzierte Einordnung von Verhalten, um Beziehung und Co Regulation, um Gesprächsführung und Beratung und immer wieder um die Frage, was all dieses Wissen für den tatsächlichen Alltag bedeutet.
Denn zwischen „Ich weiß etwas über Neurodivergenz“ und „Ich kann in einer komplexen Situation neurokompetent handeln“ liegt ein entscheidender Schritt.
Genau deshalb sind die regelmäßigen Live Termine für mich ein wichtiger Teil der Ausbildung. Dort arbeiten wir an echten Situationen aus Schule, Kita, Familie und Beratung. Wir schauen gemeinsam hin, hinterfragen erste Erklärungen, verfeinern Sprache und entwickeln Handlungsmöglichkeiten, die zum jeweiligen Menschen und zum jeweiligen Kontext passen.
Begleitet wird die Weiterbildung von einem interdisziplinären Team aus unterschiedlichen Fachbereichen. Seit 2019 haben wir am Institut, das ursprünglich aus der Auseinandersetzung mit der Hochsensibilität entstanden ist, mehr als 2.500 Fachkräfte begleitet und weitergebildet.
Dass der Bedarf an diesem Wissen groß ist, erleben wir inzwischen beinahe täglich.
Kehren wir noch einmal zum Cockpit zurück.
Die entscheidende Erkenntnis damals war nicht, dass mit den Piloten etwas nicht stimmte.
Das Problem war die Vorstellung, man könne eine Umgebung für einen durchschnittlichen Menschen bauen und erwarten, dass sie deshalb für die meisten passt.
Vielleicht stehen wir in Bildung, Beratung und vielen anderen Bereichen gerade vor einer ähnlichen Erkenntnis.
Wir werden menschliche Vielfalt nicht dadurch bewältigen, dass wir immer feinere Kategorien dafür entwickeln, wer von der Norm abweicht.
Vielleicht müssen wir die Norm selbst beweglicher machen.
Neurokompetenz bedeutet für mich deshalb nicht, jeden Menschen vollständig verstehen zu können.
Das können wir nicht.
Sie bedeutet, genug über menschliche Vielfalt zu wissen, um Unterschiede nicht vorschnell als Defizit zu interpretieren.
Genug über Nervensysteme zu verstehen, um Verhalten nicht mit Absicht zu verwechseln.
Genug über Bedingungen zu wissen, um nicht jedes Problem im Menschen zu suchen.
Und gleichzeitig demütig genug zu bleiben, um sagen zu können:
Vielleicht habe ich noch nicht verstanden, was dieser Mensch gerade braucht.
Für mich beginnt genau dort professionelle Neurokompetenz.
Und vielleicht ist sie gerade deshalb eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen für alle, die mit Menschen arbeiten.
Brauche ich für die Ausbildung eine bestimmte Vorqualifikation?
Die Ausbildung richtet sich an Menschen, die mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen oder Familien arbeiten oder sich auf eine entsprechende Tätigkeit vorbereiten. Unsere Teilnehmer:innen kommen unter anderem aus Pädagogik, Beratung, Therapie und angrenzenden Fachbereichen. Entscheidend ist weniger ein bestimmter einheitlicher Ausbildungsweg als eine fachliche Grundlage, auf der das Wissen sinnvoll aufgebaut und in die eigene Praxis übertragen werden kann.
Ist Neurokompetenz nur für den Umgang mit Kindern relevant?
Nein. Neurodivergenz endet nicht mit dem Schulabschluss. Die zugrunde liegenden Fragen nach Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Regulation, Kommunikation, Umwelt und Passung begleiten Menschen über die gesamte Lebensspanne. Entsprechend lässt sich Neurokompetenz auch in der Arbeit mit Erwachsenen anwenden.
Was unterscheidet Neurokompetenz von einer Fortbildung zu ADHS oder Autismus?
Eine Fortbildung zu einem einzelnen Profil kann wertvolles und vertieftes Fachwissen vermitteln. Neurokompetenz setzt an einer anderen Stelle an. Sie betrachtet unterschiedliche neurokognitive Profile nicht isoliert, sondern versucht, Zusammenhänge, Überschneidungen und Unterschiede zu verstehen und dieses Wissen mit dem konkreten Menschen, seinem Umfeld und den jeweiligen Bedingungen zusammenzubringen.
Das Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, dass Fachkräfte außerhalb ihres Kompetenzbereichs Diagnosen stellen.
Das Ziel ist, differenzierter beobachten, bessere Hypothesen bilden, die eigene fachliche Grenze erkennen und daraus angemessener handeln zu können.
Wie kann ich herausfinden, ob die Ausbildung zur Fachberater für Neurokompetenz zu mir passt?
Wenn du Neurodivergenz und unterschiedliche neurokognitive Profile fundierter verstehen und dieses Wissen sicher in deine berufliche Praxis übertragen möchtest, kannst du unsere Arbeit am Institut für Neurokompetenz (IFN) zunächst unverbindlich kennenlernen.
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ÜBER DIE AUTORIN

Svenja Kunert
Svenja Kunert ist Psychologin, Vizepräsidentin des Instituts für Neurokompetenz und Expertin für Neurodivergenz. In ihrer Arbeit verbindet sie psychologisches Fachwissen mit einem praxisnahen, neurokompetenten Blick auf menschliches Erleben und Verhalten.
Ihr Fokus liegt darauf, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und daraus konkrete Handlungskompetenz für Alltag, Bildung und Begleitung abzuleiten.
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